12. Vortrag: Alt, älter, Seulberg – von Römern, Hexen und Töpfern: AUSGEBUCHT!!!

Dr. Erika Dittrich

Vor mehr als 1250 Jahren schenkte ein gewisser Aliulf seine in „suleburc“ gelegenen Güter dem Kloster Lorsch – und schrieb damit die Geburtsurkunde Seulbergs. Der Bachlauf gab die Anlage des Dörfchens als „Rundling“ vor, begrenzte aber auch sein Wachstum. Zur Sicherung genügten ab dem Mittelalter zwei Tore. Über Jahrhunderte blieb es bei einigen Dutzend Hofstellen. Am besten gediehen Obstbäume, ein Erbe das noch heute in den ausgedehnten Streuobstwiesen ringsum nachklingt.
Nirgends verzeichnet ist, wann die Seulberger die hochwertigen Tone entdeckten und ein blühendes Töpferwesen entstehen ließ. Als die Schreiber im 17. Jahrhundert die schweren Drangsale im Dreißigjährigen Krieg und den nachfolgenden Hexenverfolgungen, denen 54 Menschen, darunter mehrere Kinder zum Opfer fielen, festhielten, spielte dieses Handwerk noch eine untergeordnete Rolle.
Mit zunehmendem Wohlstand änderte sich das bald. Genügend Holz zum Befeuern der beiden Brennöfen besaß man als Teil einer Markgenossenschaft in den Taunuswäldern. Jetzt kam den Seulbergern ihre verkehrsgünstige Lage im Rhein-Main-Gebiet zugute. Mit der Kiepe auf dem Rücken zog man nicht nur nach Frankfurt, um „Sellwicher Dippe“ zu verkaufen. Erst die weitaus produktiver arbeitende Industrie beendete diese Entwicklung bis 1850. Aber da gab es schon neue Verdienstmöglichkeiten in den allerorten entstehenden Fabriken und Handwerksbetrieben. Auch die Landwirtschaft verlor an Bedeutung. Heute erinnert nur noch das Hufeisen im Ortswappen daran.


F20_08_Seulberg
© Stadtarchiv Friedrichsdorf
15,- Mitglieder (20,- Nichtmitglieder)
Do., 04. Februar 2021
19.00 - 20.30
in den Räumen der MbW
max. 10
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