09. Musikseminar: „…nur das Weibliche ziert die Frauen“
Bettina Höger-LoeschKomponistinnen aus verschiedenen Jahrhunderten
Sie war die Schwester von Felix Mendelssohn Bartholdy: Fanny Hensel. Ihr Vater schrieb ihr anlässlich ihres 23. Geburtstages: „Du musst Dich ernster und emsiger zu Deinem eigentlichen Beruf, zum einzigen Beruf eines Mädchens, zur Hausfrau, bilden.“ Schon Jahre zuvor hatte er seiner Tochter im sogenannten „Grundbass-Brief“ mitgeteilt, dass die Musik - im Gegensatz zu ihrem Bruder - für sie „stets nur Zierde“ sein könne. Sie war die Frau von Robert Schumann: Clara Schumann. Ein Glücksfall für den Komponisten, dass seine Frau seine Klavierkompositionen ebenso virtuos als auch mit tiefem musikalischen Verständnis aufzuführen verstand und damit einer breiten Öffentlichkeit vorstellen konnte. Ihre eigenen Kompositionen wurden darüber lange Zeit vergessen.
Oder Alma Mahler-Werfel: Als Ehefrau von Gustav Mahler musste sie ihm versprechen, dass sie sich fortan nur noch um seine Musik zu kümmern habe. Das eigene Komponieren hatte er ihr untersagt. Erst viel später, als er ihre Lieder entdeckte, hatte er diese Entscheidung bereut.
Für Almas Selbstverständnis als Komponistin war das leider zu spät. Es gibt eine Fülle von Kompositionen aus der Feder von Frauen. Der Verlag „Furore“ in Kassel hat sich auf die Herausgabe ihrer Werke spezialisiert. In Frankfurt haben wir mit dem „Archiv Frau und Musik“ eine fantastische Fundgrube direkt vor der Haustür. Jedes Jahr am Weltfrauentag erklingen Kompositionen von Frauen. Jedoch: Wo finden wir sie in den allgemeinen Konzertprogrammen? Hat sich das „Quotenwerk“ der Neuen Musik schon eher etabliert - strategisch gut platziert vor der Konzertpause - so suchen wir Werke von Komponistinnen bislang eher vergeblich.
In unserem Musikseminar stehen ihre Werke im Mittelpunkt. In einer kleinen Zeitreise lernen wir Komponistinnen aus verschiedenen Jahrhunderten kennen, von Hildegard von Bingen bis in die Gegenwart. Manche Namen sind vielleicht bekannt. Andere wiederum nicht. Es gibt viel Hörenswertes und zu Unrecht Vergessenes zu entdecken!





