03. Musikseminar: Komponisten im Exil
Bettina Höger-LoeschUmbruch – Abbruch – Aufbruch
Im vergangenen Musikseminar haben wir mit Kurt Weill einen Komponisten kennengelernt, dessen Stil sich auffällig wandelte, mit seinem jeweiligen Aufenthaltsort. Als Sohn eines jüdischen Kantors und insbesondere bei der Zusammenarbeit mit Bertolt Brecht, mit Produktionen, die so gar nicht den Vorstellungen der Nazis entsprachen, musste er schon bald nach der Machtübernahme Deutschland verlassen. So folgte seiner Flucht nach Paris ein neues Leben in Amerika. Ein relativ typisches Schicksal in dieser Zeit.
Doch wie ging es den anderen zahlreichen Komponisten, die in dieser Zeit verfolgt wurden? Die Liste der vom Naziregime verfolgten Musiker und Komponisten ist lang. Ihre Wege sind unterschiedlich, und jeder betroffene Mensch hatte sein ganz eigenes Schicksal. Wie sind sie mit der Situation umgegangen? Wieviel Handlungsspielraum blieb ihnen überhaupt in einer Lage, die Leib und Leben bedrohte oder zumindest von heute auf morgen Berufsverbot bedeutete? Viele gingen ins Exil. Nicht immer war es leicht, dort neu Fuß zu fassen.
Analog zur Ausstellung „Entartete Kunst“ wurde am 24. Mai 1938 eine Ausstellung „Entartete Musik“ in Düsseldorf eröffnet. Werke der Avantgarde, des Jazz und Werke jüdischer Komponisten wurden hier als „undeutsch“ bzw. „nicht-arisch“ gezeigt. „Eine Abrechnung“ – so lautete ihr Untertitel. Der Bezug zu „Jonny spielt auf“ von Ernst Křenek in der Karikatur auf dem Ausstellungsplakat ist offensichtlich.
Wir betrachten ausgewählte Komponisten, ihren weiteren Lebensweg und die Auswirkungen auf ihr künstlerisches Schaffen. Wir treffen auf bekannte Namen aus vorherigen Musikseminaren, wie Friedrich Hollaender, Kurt Weill, Arnold Schoenberg und Alban Berg. Die Liste ist aber deutlich länger, mit Namen wie Hanns Eisler, Hans Gál, Karl Amadeus Hartmann, Paul Hindemith, Ernst Křenek, Erich Wolfgang Korngold, Franz Schreker, Ernst Toch, Stefan Wolpe, Alexander Zemlinsky u. a., und kann niemals vollständig sein. Ihre Schicksalswege sind exemplarisch zu verstehen. Auch der Weg nach Theresienstadt und Dachau darf auf unserer musikalischen Reise nicht fehlen. Hier begegnen wir unter anderem Pavel Haas, Gideon Klein, Hans Krása, Erwin Schulhoff und Viktor Ullmann.





