16. Museumsführung: Frankfurter Silberinschrift
Archäologisches Museum FrankfurtIm Rahmen einer Führung im Archäologischen Museum Frankfurt steht ein außergewöhnlicher Fund im Mittelpunkt, der die Forschung zur frühen Ausbreitung des Christentums grundlegend verändert hat. Im Jahr 2018 wurde im Nordwesten vor den Toren Frankfurts, im Gebiet der römischen Siedlung NIDA – der Vorgängerstadt der heutigen Mainmetropole –, eine kleine silberne Amulettkapsel entdeckt.
Das nur etwa 3,5 cm große Amulett enthält eine 18-zeilige Gravur, deren Inhalt von besonderer wissenschaftlicher Bedeutung ist. Die Inschrift belegt eindeutig, dass der Träger des Amuletts ein gläubiger Christ war – ein Befund, der für die damalige Zeit als außergewöhnlich gilt. Das zugehörige Grab wird in die Zeit zwischen 230 und 270 n. Chr. datiert und liefert damit einen der frühesten gesicherten Nachweise für Christentum nördlich der Alpen.
Bislang gingen Forschungen davon aus, dass sich christliches Leben in den nordalpinen Regionen des Römischen Reiches erst deutlich später, vor allem ab dem 4. Jahrhundert n. Chr., archäologisch eindeutig nachweisen lässt.
Zwar existieren literarische Hinweise auf erste christliche Gruppen bereits im späten 2. Jahrhundert, insbesondere in Gallien und möglicherweise auch in der Provinz Obergermanien, doch fehlten bislang vergleichbar frühe und klare archäologische Belege. Der Fund aus NIDA stellt diese Annahmen nun grundlegend in Frage und eröffnet neue Perspektiven auf die religiöse Entwicklung in den römischen Provinzen..





